Mit voller Kraft in die Zukunft
"Die Wirtschaft braucht Wachstumsimpulse"INTERVIEW. Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl Liber die Herausforderungen 2010 und seine Forderungen an die
ÖSTERREICH: Wie haben Österreichs Unternehmen das Krisenjahr 2009 überstanden?
CHRISTOPH LEITL: Ich bin stolz auf die heimischen Betriebe, denn in weiten Bereichen der Wirtschaft haben sie sich der Krise erfolgreich entgegen gestellt. Probleme haben wir etwa weiter im Export. Positiv ist auch die im europäischen Vergleich sehr niedrige Arbeitslosigkeit. Mit einem Rückgang der Wirtschaftsleistung von derzeit 3,6 Prozent liegen wir wesentlich besser als Deutschland mit minus fünf Prozent. Um Arbeitsplätze zu schaffen, brauchen die heimischen Betriebe seitens der Politik auch 2010 Unterstützung.
Österreich" vom 31.01.2010 Seite: 8
ÖSTERREICH: Welche Art von Unterstutzung soll es seitens der Regierung heuer für die heimische Wirtschaft geben? LEITL: Man muss die Kuh, von deren Milch man lebt, auch gut füttern. Da
hat die Bundesregierung im Vorjahr mit Aktionen wie dem Paket zur Thermischen Sanierung einige gute Dinge auf den Weg gebracht. Hier erwarte ich für heuer eine Fortsetzung. Wichtig wäre
auch die Einführung des seit längerer Zeit diskutierten Handwerkerbonus. Beide Maßnahmen wirken sich unmittelbar auf die mittelständische Wirtschaft aus und schaffen sofort neue
Arbeitsplätze, die wir derzeit dringend benötigen.
ÖSTERREICH: Der private Konsum war 2009 eine wichtige Stütze der Wirtschaft. Wie wichtig ist er für die Entwicklung 2010?
LEITL: Die Privaten sind derzeit die Träger der österreichischen Wirtschaft. Solange unsere Exporte unter Druck sind, wird sich das auch nicht ändern. Es ist daher wichtig, alb‘s zu
unternehmen, damit Kauf- und Finanzkraft von Betrieben und Haushalten nicht durch Steuererhöhungen geschwächt werden. Die vorgezogene Steuerreform und die geringe Inflation sind positive
Zeichen, denn dadurch haben die Menschen mehr Geld zur Verfügung, das sie investieren können. OSTERREICH: Sind Sie auch im Sinne einer hohen Beschäftigungsrate für die Fortsetzung von
Kurzarbeitszeit und ähnlichen Jobsicherungsmodellen?
LEITL: Die Kurzarbeit war 2009 ein probates Mittel, um die Arbeitslosigkeit zu bekämpfen. Heuer bemerken wir bereits eine gegenläufige Entwicklung, da die Zahl der in Kurzarbeit
befindlichen Arbeitskräfte von 60.000 auf 30.000 gesunken ist. Das ist ein gutes Zeichen einer leichten wirtschaftlichen Erholung. Wir sollten aber offen sein, Kurzarbeitsmodelle und
Arbeitsmarktpakete dann wieder einzusetzen, wenn sie notwendig sind. Eine dauerhafte Verbesserung der Beschäftigung wird es aber nur mit einem Wirtschaftswachstum von zwei Prozent und
mehr geben. Daher sollte die Regierung alles unternehmen, damit wir diesen Wert schon heuer erreichen. Da werden noch Anstrengungen nötig sein, denn derzeit gehen die Prognosen nur von
einem Wachstum von einem Prozent aus. Ernsthafte Sorgen macht mir auch die hohe Jugendarbeitslosigkeit. Hier sind alle gefordert, denn wir müssen den jungen Menschen in Österreich die
Chancen am Arbeitsmarkt geben, die sie benötigen.
ÖSTERREICH: Wo liegt hier das Problem, warum stellen die Unternehmer nicht mehr junge Menschen ein?
LEITL: Wir haben derzeit in vielen Bereichen ein Qualifikationsproblem. 20 Prozent der Betriebe, die junge Arbeitskräfte oder Lehrlinge einstellen würden, finden keine geeigneten
Kandidaten am Arbeitsmarkt. Die Hälfte der arbeitslos Gemeldeten hat nur einen Pflichtschulabschluss ohne weitere Qualifikationen. Hier sind die Sozialpartner gefragt, die Ausbildung
dieser Menschen schnell zu verbessern um sie so wieder für die Betriebe attraktiv zu machen.
ÖSTERREICH: Welche Maßnahmen sollte die Bundesregierung setzen, um die Investitionen anzukurbeln?
LEITI: Die 250 Millionen Euro steuerliche Ersparnis für die vorzeitige Abschreibung wären als Investitionsprämie oder als Freibetrag im Sinne der heimischen Wirtschaft besser investiert.
Positiv sehe ich die Freigabe von ERP-Fonds-Geldern für Finanzierungsvorhaben für Klein- und Mittelbetriebe, da auch die Möglichkeit für Kleinkredite bis 100.000 Euro geschaffen wurde und
damit viele heimische Unternehmer jetzt die Möglichkeit erhalten, günstige Finanzierungen für Investitionen und Projekte zu erlangen.
ÖSTERREICH: Wie sehen Sie die Maßnahmen zur Förderung des ersten Angestellten bei Ein-Personen-Unternehmen?
LEITL: Das ist eine sehr positive Aktion, denn dadurch konnten bereits in ganz kurzer Zeit rund 20& Arbeitsplätze geschaffen werden. Wir haben in Österreich 200.000
Ein-Personen-Unternehmen. Wir werden nun das Modell verbessern, um einen noch stärkeren Anreiz zu bieten, Mitarbeiter zu beschäftigen.
OSTERREICH: Sollen Banken, wie in den USA angedacht, stärker staatlich kontrolliert werden?
LEITL; Österreichs Banken müssen für die Hilfe vom Staat bezahlen, und zwar recht happige Zinsen. Es wirft ihnen also niemand Geld nach. Gleichzeitig sind die Banken in Osterreich auf
regionaler Ebene durchaus darauf bedacht, die örtlichen Betriebe mit Finanzierungen und Krediten ordentlich zu versorgen. Wir haben beim Finanzsystem einige Bypässe angebracht, durch die
wieder Geld in die Wirtschaft fließt. Dazu kommt eine gute Idee der Jungen Wirtschaft, um private Kapitalgeber zu motivieren, sich konkret an Unternehmen zu beteiligen. Die junge
Wirtschaft fordert die Möglichkeit, derartige Engagements bis zu einer Höhe von 50.000 Euro jährlich steuerlich absetzbar zu machen. Das finde ich ausgezeichnet, da dadurch viel privates
Kapital für Projekte aktiviert werden kann. Ich hoffe, dass wir hiermit dem Finanzminister zu einer guten Lösung kommen werden.
ÖSTERREICH: Was sagen Sie zur Spekulationssteuer?
LEITI: Ich bin sehr für eine Spekulantensteuer statt einer Bankensteuer. Wer spekuliert, soll auch Steuern zahlen.
ÖSTERREICH: Was sind die wichtigsten Wirtschaftsprojekte Osterreichs in den kommenden Jahren?
LEITL: Die Staatsverschuldung muss abgebaut werden. Allerdings muss bei allem Sparwillen dafür Sorge getragen werden, dass den Betrieben ausreichendes Wachstum möglich ist, denn ohne
Wachstum kippt das System. Es darf nicht alles Hirnschmalz in die Erfindung neuer Steuern gehen. Jetzt geht es um intelligentes Sparen. Es muss zu einer Erneuerung der bürokratischen
Systeme kommen, denn beim Staat, im Schulbereich und bei den Krankenanstalten liegen ungeheure Einsparungspotenziale. Wir werden es uns auf Dauer nicht leisten können, diese nicht zu
heben. Und letztendlich muss auch das reale Pensionsantrittsalter in Österreich von derzeit 58 Jahren auf 62 Jahre steigen. Wir können nicht aufDauer das gesamte Sozialsystem
ausschließlich zu Lasten der Jungen finanzieren.
INTERVIEW: Christian Neuhold
„Statt das Hirnschmalz in die Erfindung neuer Steuern zu stecken, sollte man intelligente Sparmöglichkeiten im bürokratischen System nutzen." Christoph Leitl
„Die Privaten sind derzeit die wichtigsten Träger der heimischen Wirtschaft." Christoph Leitl
IMPULSE FÜR ÖSTERREICHS UNTERNEHMEN. Österreichs Wirtschaft benötigt auch 2010 staatliche Impulse, um die Auswirkungen der Wirtschaftskrise abfedern zu können und die Beschäftigung auf
einem Europaweit hohen Niveau zu halten.
Mehr Geld für weniger Zinsen
ERP-Kleinkredit hilft weiter. Der ERP-Kleinkredit soll wachstumsbedingte Finanzierungsengpässe bei Kleinunternehmen verhindern. Daher wurde auf Initiative der WKÖ mit 1.1. 2010 der
mögliche Kreditbetrag auf 100.000 Euro erhöht. Förderungen gibt es für:
Modernisierungs- und Erweiterungsinvestitionen
· Aufbau neuer oder substanzieile Erweiterungen bestehender Dienstleistungen oder Geschäftsfelder
Materielle und immaterielle Investitionen
Betriebsmittel sind nur bei ERPKleinkrediten bis 30.000 EUR förderbar.
Kreditkonditionen.
·Kreditbetrag: 10.000,- bis 100.000,- Euro.
* Laufzeit: 6 Jahre, davon 1 Jahr tilgungsfrei.
*Zinsen/Kosten: 0,5% p.a. in der tilgungsfreien Zeit, 1,50% p.a. in der Tilgungszeit, 0,9% des Kreditbetrages einmalig, plus risikokonformes Haftungsentgelt.
· Besicherung: Bankhaftung oder Haftung des aws.
· Einreichung: Vor Investitionsbeginn bei ihrer Bank. Der Kredit kann von Kleinunternehmen, das heißt von Unternehmen mit weniger als 50 Beschäftigten und maximal 10 Mio. EUR Umsatz oder
10 Mio. EUR Bilanzierungssumme, beantragt werden.
So kommen Sie zum Kleinkredit. Kontaktieren Sie die Experten der Wirtschaftskammer in Ihrem Bundesland. Bei Ihrer Hausbank werden Sie ebenfalls umfassend beraten. Informationen erhalten
Sie außerdem bei der Förderungsberatung des aws (austria wirtschaftsservice) unter 01 50175-100 oder office@ awsg.at bzw. http://www.awsg.at
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